Patchwork, Bonusfamilie oder einfach zwei Haushalte mit Kindern: Sobald zwei Familien zusammenfinden, treffen oft auch zwei Regelwelten aufeinander. Was in einem Zuhause selbstverständlich ist (z. B. Medienzeiten, Tischregeln, Schlafenszeiten oder Taschengeld), wirkt im anderen streng, locker oder sogar unverständlich. Dieser Artikel zeigt euch praxisnah, wie ihr Unterschiedliche Familienregeln vereinbaren könnt – mit klaren Gesprächen, fairen Kompromissen und Absprachen, die im Alltag in Deutschland und Österreich wirklich tragen.

Wenn zwei Familien, zwei Regelwelten: Warum Konflikte so typisch – und lösbar – sind

In vielen Familien ist es ein leiser Mythos, dass Regeln „einfach entstehen“: Man macht Dinge so, weil man sie schon immer so gemacht hat. Sobald jedoch zwei Familien enger zusammenrücken – ob in einer Patchwork-Konstellation, bei neuen Partnerschaften mit Kindern oder wenn Kinder zwischen zwei Haushalten pendeln – werden Regeln plötzlich sichtbar. Dann kann es passieren, dass aus Alltagsdetails Grundsatzfragen werden: Wie spät darf ein Kind ins Bett? Wer räumt den Tisch ab? Gibt es Süßigkeiten unter der Woche? Wie viel Bildschirmzeit ist okay?

Diese Reibung ist nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass etwas „schiefläuft“. Im Gegenteil: Sie zeigt, dass Bedürfnisse, Werte und Gewohnheiten aufeinandertreffen. Das Ziel ist daher nicht, alles sofort zu vereinheitlichen, sondern gemeinsame Absprachen zu finden, die für Erwachsene und Kinder verständlich und umsetzbar sind. Genau hier setzt das Thema Unterschiedliche Familienregeln vereinbaren an: nicht als starres Regelwerk, sondern als Prozess, der Vertrauen aufbaut.

Typische Regel-Konfliktfelder: Wo sich zwei Haushalte besonders oft „reiben“

Bevor ihr über Lösungen sprecht, lohnt es sich, die häufigsten Konfliktfelder zu kennen. Viele Paare und Familien in Deutschland und Österreich berichten, dass dieselben Themen immer wieder auftauchen – unabhängig davon, ob man in einer Großstadt wie Berlin, Wien oder München lebt oder in ländlichen Regionen.

Medien & Smartphone: Bildschirmzeit, Apps, Gaming und Social Media

Ein Haushalt erlaubt abends noch eine Folge, der andere hat klare Grenzen oder arbeitet mit Gerätezeiten und Jugendschutz-Apps. Besonders heikel wird es, wenn Kinder sich auf „Aber bei Mama darf ich!“ oder „Bei Papa ist das egal!“ berufen. Hier entstehen schnell Machtkämpfe – zwischen Erwachsenen und zwischen den Erwachsenen untereinander.

  • Beispiel: In Haushalt A gibt es werktags 30 Minuten Tablet, in Haushalt B „nach den Hausaufgaben frei“.
  • Reibung: Das Kind nutzt das „lockere“ System als Argument gegen Grenzen im anderen Haushalt.

Schlafenszeiten & Morgenroutine

Schlaf ist ein Klassiker. Der Unterschied zwischen 20:00 und 21:30 Uhr kann sich klein anfühlen – ist aber im Alltag groß, wenn Kinder morgens müde sind, in der Schule weniger konzentriert oder in der Kita unausgeglichen wirken. Das führt dann zu Vorwürfen: „Bei dir schlafen sie nie rechtzeitig.“

Haushalt, Ordnung & Verantwortlichkeiten

Der eine Haushalt lebt eher „pragmatisch“, der andere strukturierter. Kinder spüren diese Unterschiede sofort. Was im einen Zuhause mit einem lockeren „Später“ beantwortet wird, ist im anderen ein fester Ablauf: Schuhe weg, Hände waschen, Jause/Brotzeit vorbereiten, Zimmer aufräumen.

Essen, Süßigkeiten & Tischkultur

Gibt es gemeinsame Mahlzeiten? Muss man probieren? Darf man beim Essen aufs Handy schauen? In Deutschland und Österreich spielt auch die Kultur von Familienessen, Brotzeit/Jause, warmem Abendessen vs. Abendbrot eine Rolle. Kinder sind sensibel dafür, wo es mehr Freiheiten gibt.

Taschengeld, Konsum & Geschenke

Unterschiedliche finanzielle Möglichkeiten oder Prioritäten führen zu Spannungen: Der eine kauft Marken, der andere setzt auf Secondhand. Der eine gibt regelmäßig Taschengeld, der andere finanziert eher punktuell. Hier fühlen sich Kinder schnell „ungleich behandelt“ – oder lernen, die Systeme gegeneinander auszuspielen.

Umgangston, Konsequenzen & Erziehungsstil

Während ein Elternteil auf klare Konsequenzen setzt, arbeitet der andere stärker beziehungsorientiert und verhandelt mehr. Beides kann funktionieren – problematisch wird es, wenn Erwachsene sich gegenseitig abwerten („zu streng“, „zu weich“). Dann entsteht nicht nur Regelkonflikt, sondern ein Loyalitätskonflikt für die Kinder.

Die wichtigste Grundlage: Nicht Regeln, sondern Werte klären

Wenn ihr Unterschiedliche Familienregeln vereinbaren wollt, beginnt nicht mit einer Liste von Verboten und Erlaubnissen. Beginnt mit der Frage: Wozu dienen unsere Regeln?

Regeln sind meist nur die Oberfläche. Darunter liegen Werte wie Sicherheit, Gesundheit, Respekt, Selbstständigkeit, Fairness, Ruhe oder Gemeinschaft. Zwei Haushalte können bei den Werten sehr ähnlich sein und trotzdem unterschiedliche Regeln haben.

  • Wert: Gesundheit → Regelvariante A: Süßes nur am Wochenende; Regelvariante B: kleine Portionen täglich möglich.
  • Wert: Ruhe → Regelvariante A: feste Schlafenszeit; Regelvariante B: flexible Zeit, aber feste Aufstehzeit.
  • Wert: Respekt → Regelvariante A: keine Schimpfwörter; Regelvariante B: Konflikte werden in „Ich-Botschaften“ nachbesprochen.

Wenn ihr auf Werteebene übereinkommt, wird es leichter, über konkrete Absprachen zu sprechen, ohne dass sich jemand persönlich angegriffen fühlt.

Patchwork & Co.: Warum Kinder Regeln testen (und warum das normal ist)

Viele Erwachsene interpretieren Regel-Tests als Provokation oder Manipulation. Oft steckt etwas anderes dahinter: Kinder suchen Orientierung. Besonders in Phasen der Veränderung (neue Partnerin/neuer Partner, Umzug, neue Geschwister, neue Schule) steigt das Bedürfnis nach Stabilität.

Typische Gründe, warum Kinder Unterschiede betonen:

  • Sicherheitsbedürfnis: „Wie läuft das hier? Was gilt heute?“
  • Loyalität: Kinder wollen keinen Elternteil „verraten“ und verteidigen dessen Regeln.
  • Stressabbau: Wechsel zwischen Haushalten ist emotional anstrengend, auch wenn Kinder es nicht zeigen.
  • Gerechtigkeitssinn: „Warum ist es bei mir strenger als bei meinem Bruder?“

Wenn ihr das mitdenkt, könnt ihr gelassener bleiben – und Absprachen so formulieren, dass Kinder sie als Orientierung statt als Willkür erleben.

Schritt-für-Schritt: So findet ihr Absprachen, die im Alltag wirklich funktionieren

Die folgenden Schritte sind so aufgebaut, dass ihr nicht in endlosen Grundsatzdiskussionen stecken bleibt. Sie helfen euch, praktikable Vereinbarungen zu treffen, ohne dass ein Haushalt „gewinnt“ und der andere „verliert“.

1) Bestandsaufnahme: Welche Regeln gibt es – und welche davon sind nicht verhandelbar?

Macht zunächst getrennt eine Liste. Nicht im Beisein der Kinder, sondern als Erwachsene.

  • Unverhandelbar (Sicherheitsregeln): Straßenverkehr, Helm, Kindersitz, Alkohol/Zigaretten, Online-Sicherheit, Gewaltfreiheit.
  • Wichtig, aber verhandelbar: Medienzeiten, Süßigkeiten, Schlafenszeit, Ordnung.
  • Nice-to-have: ob Socken im Wohnzimmer okay sind, ob am Sonntag aufgeräumt wird usw.

Ein häufiger Fehler: Alles wird als „prinzipiell“ behandelt. Dadurch entsteht unnötiger Druck. Wenn ihr klar trennt, worum es wirklich geht, sinkt das Konfliktpotenzial sofort.

2) Gemeinsame Ziele formulieren: Woran erkennt ihr in 4 Wochen, dass es besser läuft?

Formuliert 2–3 messbare Ziele. Nicht „mehr Respekt“, sondern konkreter:

  • Kinder gehen an Schultagen an 4 von 5 Tagen ohne Streit ins Bett.
  • Mediennutzung endet unter der Woche spätestens um 19:30 Uhr.
  • Morgens wird ohne Trödeln pünktlich das Haus verlassen.

Diese Ziele sind euer Kompass. Sie verhindern, dass ihr euch in Details verliert.

3) Die „Minimal-Übereinstimmung“ finden statt 100% Einheitlichkeit

Gerade wenn Kinder in zwei Haushalten leben, ist völlige Einheitlichkeit selten realistisch. Besser ist eine Minimal-Übereinstimmung: ein gemeinsamer Kern, der überall gilt. Dazu kommen haushaltsspezifische Regeln, die klar benannt werden.

Beispiel Medien:

  • Kernregel (beide Haushalte): Kein Handy am Esstisch, keine Screens nach 20:00 Uhr.
  • Haushalt A zusätzlich: werktags max. 45 Minuten Gaming.
  • Haushalt B zusätzlich: Gaming nach Hausaufgaben, Dauer abhängig vom Tag.

So wissen Kinder: Es gibt einen gemeinsamen Rahmen – und gleichzeitig Unterschiede, die nicht „falsch“ sind.

4) Absprachen sichtbar machen: kurz, klar, kindgerecht

Schreibt die wichtigsten Punkte auf. Nicht als Gesetzestext, sondern als verständliche, positive Formulierungen.

  • Statt: „Keine Diskussionen!“
  • Besser: „Wenn wir Nein sagen, fragen wir maximal einmal nach – danach akzeptieren wir es.“

Gerade in deutschsprachigen Haushalten ist eine „Regel-Ecke“ in der Küche oder am Kühlschrank oft hilfreich. Für ältere Kinder kann es eine Notiz im Familienchat sein.

5) Konsequenzen vereinbaren: logisch, ruhig, umsetzbar

Konsequenzen funktionieren nur, wenn sie vorher bekannt sind, logisch zur Situation passen und durchhaltbar sind. Vermeidet Strafen, die niemand umsetzen kann („Nie wieder Tablet!“), und arbeitet mit klaren, kurzen Folgen.

  • Wenn das Tablet trotz Abmachung nicht abgegeben wird, dann bleibt es am nächsten Tag bis nach den Hausaufgaben weg.
  • Wenn morgens getrödelt wird, dann fällt die Extra-Geschichte am Abend weg (weil Zeit fehlt).

Wichtig: Konsequenzen sollen nicht beschämen, sondern Zusammenhänge sichtbar machen.

6) Testphase und Review: Vereinbarungen sind „lebendig“

Vereinbart eine Testphase von 2–4 Wochen. Danach besprecht ihr kurz:

  • Was hat gut funktioniert?
  • Wo sind wir gescheitert – und warum?
  • Was vereinfachen wir?

Diese Haltung nimmt Druck raus. Denn viele Konflikte entstehen, weil Regeln als endgültige Entscheidung erlebt werden. Dabei ist Anpassung normal.

Kommunikation, die nicht eskaliert: Sätze und Prinzipien, die euch helfen

Regeln scheitern selten an fehlender Logik – sondern an verletzter Kommunikation. Besonders in Patchwork- oder Trennungskontexten sind alte Wunden schnell getriggert. Darum braucht ihr sprachliche Werkzeuge.

Das Prinzip „Ich + Ziel + Bitte“

  • Ich: „Ich merke, dass mich die abendliche Diskussion erschöpft…“
  • Ziel: „…und ich möchte, dass wir mehr Ruhe in den Abend bekommen.“
  • Bitte: „Können wir uns auf eine gemeinsame Screen-Endzeit einigen?“

Entwertung vermeiden: „Streng“ und „lax“ sind keine Lösungen

Worte wie „du bist zu streng“ oder „bei dir ist alles egal“ zementieren Fronten. Besser ist es, Verhalten zu beschreiben:

  • Statt: „Du lässt immer alles durchgehen.“
  • Besser: „Mir fällt auf, dass die Kinder bei dir nach dem Abendessen oft noch lange am Handy sind. Ich habe Sorge, dass sie dann bei mir weniger Schlaf bekommen.“

Einheit vor Kindern: Keine Regel-Debatten im Beisein der Kinder

Wenn Kinder erleben, dass Erwachsene sich vor ihnen über Regeln streiten, wird jede Regel zur Verhandlungssache. In Deutschland und Österreich berichten viele Familien, dass ein kurzer Satz hilft:

„Wir besprechen das unter Erwachsenen und kommen dann mit einer Entscheidung auf dich zu.“

Das signalisiert Stabilität – ohne das Kind auszuschließen.

Praktische Modelle: Drei Wege, um Unterschiede fair zu organisieren

Es gibt nicht den einen richtigen Ansatz. Je nach Alltag (Wechselmodell, Residenzmodell, Wochenendregelung, neue Partner*innen im Haushalt) funktionieren unterschiedliche Modelle.

Modell A: Gemeinsamer Kern + flexible Haushaltsregeln

Ideal, wenn die Haushalte unterschiedlich strukturiert sind oder die Elternstile stark variieren, aber ihr euch auf Grundregeln einigen könnt.

  • Kern: Sicherheit, Umgangston, schulische Basis, Schlaf-Minimum.
  • Flex: Ordnung, Essensdetails, Freizeitgestaltung.

Modell B: Wochenplan-System (für Schule/Kita)

Ideal, wenn unter der Woche eine klare Struktur gebraucht wird, aber am Wochenende mehr Freiraum möglich ist.

  • Mo–Do: feste Medienzeiten, feste Schlafenszeit
  • Fr–So: flexibler, aber mit klarer Endzeit

Viele Familien im DACH-Raum nutzen das, weil es gut zu Schulrhythmen, Trainingszeiten (Vereinssport) und Wochenendbesuchen passt.

Modell C: „Zuständigkeiten“ statt Einheitsregeln

Ideal, wenn ihr euch bei bestimmten Themen nicht einigen könnt. Dann wird klar geregelt, wer zuständig ist – und wer sich zurücknimmt.

  • Beispiel: Ein Elternteil verantwortet Medien/Jugendschutz, der andere Ernährung/Schulorganisation.
  • Wichtig: Zuständigkeit bedeutet nicht Macht, sondern Verantwortung plus Transparenz.

Konkrete Absprachen für typische Alltagsthemen (mit Formulierungsbeispielen)

Hier findet ihr alltagstaugliche Vorschläge, wie ihr Unterschiedliche Familienregeln vereinbaren könnt, ohne euch in Perfektion zu verlieren.

Medienregeln, die Kinder verstehen

  • Rahmen: „Bildschirmzeit gibt es erst nach Pflichtaufgaben (Schule, Haushalt, Hygiene).“
  • Endzeit: „Ab 20:00 Uhr ist Handy-Parkplatz in der Küche.“
  • Transparenz: „Wir nutzen Timer/Kindersicherung – nicht als Kontrolle, sondern als Hilfe.“

Hinweis: In Deutschland und Österreich ist das Thema Datenschutz oft sensibel. Sprecht offen mit älteren Kindern darüber, welche Apps genutzt werden und warum bestimmte Einstellungen (z. B. Käufe, Chat-Funktionen) begrenzt sind.

Schlafenszeiten: Mit Mindestschlaf statt Machtkampf

  • Kernidee: „Wir orientieren uns an einer Ziel-Aufstehzeit und rechnen rückwärts.“
  • Abendroutine: „30 Minuten vor Schlafen: ruhige Phase ohne Screens.“
  • Ausnahme: „Am Wochenende darf es 30–60 Minuten später werden.“

Hausaufgaben & Lernen: Unterstützung ohne Dauerstress

  • Ort/Zeit: „Hausaufgaben finden möglichst vor Freizeit statt, mit kurzer Pause nach der Schule.“
  • Hilfe-Regel: „Wir erklären, aber wir lösen nicht.“
  • Kommunikation: „Wenn etwas nicht klappt, informieren wir Lehrkraft/Schule gemeinsam (oder abgestimmt).“

Gerade bei zwei Haushalten ist Konsistenz wichtig: Kinder profitieren, wenn Materialien (Federmappe, Hefte) doppelt vorhanden sind oder ein klarer „Wechsel-Check“ existiert.

Haushalt & Mithelfen: Kleine Aufgaben, klare Zeiten

  • Fixpunkte: „Tisch decken/abräumen an bestimmten Tagen.“
  • Altersgerecht: „Jede*r hat 1–2 Aufgaben, die wirklich machbar sind.“
  • Ritual: „10-Minuten-Aufräumen vor dem Abendprogramm.“

Taschengeld & Konsum: Fairness statt Vergleich

Wenn die finanziellen Möglichkeiten unterschiedlich sind, hilft eine klare Haltung: Kinder müssen nicht in beiden Haushalten exakt dasselbe bekommen – aber sie brauchen nachvollziehbare Regeln.

  • Formulierung: „Bei uns gibt es Taschengeld regelmäßig. Größere Wünsche planen wir gemeinsam.“
  • Alternative: „Bei uns gibt es weniger Taschengeld, dafür übernehmen wir bestimmte Kosten (z. B. Vereinsbeitrag).“

Wichtig ist, nicht den anderen Haushalt schlechtzureden. Sagt lieber: „Jeder Haushalt organisiert Geld anders.“

Wenn neue Partner*innen im Spiel sind: Rollen klären, bevor Regeln verschärft werden

In Patchwork- und Bonusfamilien ist die Frage zentral: Wer setzt Regeln durch? Ein häufiger Fehler ist, dass neue Partner*innen zu früh „Polizei“ werden – oder sich komplett heraushalten und innerlich ärgern.

Eine hilfreiche Rollenlogik:

  • Biologische Eltern / Hauptbezugspersonen: setzen zentrale Regeln und Konsequenzen.
  • Bonuseltern / neue Partner*innen: unterstützen, erinnern, leben den Rahmen mit – aber übernehmen nicht sofort die Hauptdisziplinierung.
  • Langfristig: Mit wachsendem Vertrauen kann Verantwortung schrittweise geteilt werden.

So schützt ihr Beziehungen. Denn Kinder akzeptieren Regeln leichter, wenn die Beziehungsebene stabil ist.

Konflikte deeskalieren: Was tun, wenn es trotz Absprachen kracht?

Auch mit guten Plänen wird es Rückfälle geben. Entscheidend ist, wie ihr damit umgeht.

Die 90-Sekunden-Pause

Wenn ihr merkt, dass ihr hochfahrt: Stoppt kurz. Atmet. Trinkt einen Schluck Wasser. Ziel: nicht gewinnen, sondern wieder handlungsfähig werden.

Nachgespräch statt Endlosdiskussion

Wenn ein Kind „Nein“ nicht akzeptiert:

  • Im Moment: Entscheidung bleibt stehen, ohne große Debatte.
  • Später: kurzes Gespräch: „Was war schwer? Was brauchst du beim nächsten Mal?“

Reparatur-Sätze für Erwachsene

  • „Ich war gerade zu hart im Ton. Die Regel bleibt, aber ich möchte respektvoll bleiben.“
  • „Wir sind uns nicht einig. Wir klären das später und du bekommst eine klare Antwort.“

Besondere Situation: Zwei Haushalte nach Trennung – Koordination ohne ständigen Kontakt

Nicht alle Eltern können oder wollen eng kommunizieren. Trotzdem lassen sich funktionierende Absprachen finden. Hier zählen Klarheit und Dokumentation mehr als Harmonie.

  • Schriftliche Kurzabsprachen: z. B. per E-Mail oder Co-Parenting-App.
  • Wenige, aber wichtige Regeln: Fokus auf Schule, Gesundheit, Medien, Umgangston.
  • Neutraler Ton: keine Vorwürfe, nur Fakten und konkrete Bitten.

Wenn direkte Gespräche schwierig sind, kann auch eine externe Moderation (Familienberatung, Mediation) in Deutschland und Österreich eine entlastende Option sein.

Checkliste: So erkennt ihr, ob eure Absprachen alltagstauglich sind

  • Verständlich: Können die Kinder die Regeln in eigenen Worten wiederholen?
  • Machbar: Könnt ihr die Regel auch an stressigen Tagen umsetzen?
  • Konsistent: Gibt es einen gemeinsamen Kern, der in beiden Haushalten gilt?
  • Flexibel: Gibt es Ausnahmen (Feiern, Ferien), die vorher klar sind?
  • Respektvoll: Werden Unterschiede nicht als „besser/schlechter“ bewertet?

Häufige Fehler – und wie ihr sie vermeidet

Fehler 1: Zu viele Regeln auf einmal

Wenn ihr alles gleichzeitig ändern wollt, scheitert ihr an der Umsetzung. Wählt 1–2 Kernbaustellen (z. B. Medien + Schlaf) und stabilisiert sie zuerst.

Fehler 2: Regeln ohne Beziehung

Je weniger Verbindung, desto weniger Wirkung. Plant bewusst auch positive Zeit ein: gemeinsames Kochen, Spiel, Spaziergang, Sport. Kinder kooperieren besser, wenn sie sich zugehörig fühlen.

Fehler 3: Inkonsistente Konsequenzen

„Heute ist es egal, morgen gibt es Ärger“ wirkt willkürlich. Wenn ihr merkt, dass eine Konsequenz nicht durchhaltbar ist, ändert sie – statt sie sporadisch anzuwenden.

Fehler 4: Den anderen Haushalt schlechtreden

Das macht Kinder innerlich unsicher und verstärkt Loyalitätskonflikte. Besser: Unterschiede neutral benennen und im eigenen Haushalt klar führen.

Mini-Leitfaden für euer nächstes Regel-Gespräch (15–30 Minuten)

Wenn ihr schnell starten wollt, nutzt diese Struktur:

  1. Was läuft gerade schwierig? (max. 5 Minuten, ohne Schuldzuweisung)
  2. Was ist unser gemeinsames Ziel? (2 Minuten)
  3. Welche 1–2 Regeln testen wir? (10 Minuten)
  4. Welche Konsequenz ist logisch und machbar? (5 Minuten)
  5. Wann überprüfen wir das? (Termin setzen)

So wird aus „Wir müssen mal reden“ ein konkreter Plan.

Fazit: Gemeinsamkeit im Kern, Freiheit im Detail

Zwei Familien, zwei Regelwelten müssen kein Dauerproblem sein. Wenn ihr die Werte hinter den Regeln erkennt, einen gemeinsamen Kern definiert und Absprachen als lernenden Prozess betrachtet, entsteht Stabilität – für Erwachsene und vor allem für Kinder. Der wichtigste Schritt ist oft nicht die perfekte Regel, sondern die Haltung dahinter: Wir sind ein Team, auch wenn wir Dinge unterschiedlich machen. So könnt ihr Unterschiedliche Familienregeln vereinbaren, ohne eure Beziehung – und die Beziehungen der Kinder – zu belasten.

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