Wenn Kinder um Spielzeug streiten: 7 kreative Wege, den Konflikt fair zu lösen
Ein Streit um Spielzeug gehört in Familien, Kitas und auf Spielplätzen zu den häufigsten Konflikten überhaupt – und er kann Eltern schnell an die Grenze bringen. Gleichzeitig stecken darin wertvolle Lernmomente: Kinder üben Selbstregulation, Perspektivwechsel, Teilen, Fairness und klare Kommunikation. In diesem Artikel findest du 7 kreative, alltagstaugliche Wege, wie du einen Streit um Spielzeug lösen kannst – ohne Gewinner und Verlierer, dafür mit Regeln, die zu Deutschland und Österreich passen (Kita-Alltag, Familienleben, Spielplatzkultur) und die langfristig Frieden in die Spielkiste bringen.

Warum Kinder überhaupt um Spielzeug streiten (und warum das nicht nur „schlimm“ ist)

Wenn Kinder um Spielzeug streiten, wirkt es von außen oft wie eine Kleinigkeit: ein Bagger, eine Puppe, ein rotes Auto. Für Kinder ist es jedoch selten nur ein Gegenstand. Häufig geht es um Autonomie („Ich will entscheiden!“), Besitzgefühl („Das ist meins!“), Bindung („Ich will mit dir spielen, aber weiß nicht wie“) oder um Gerechtigkeit („Immer bekommt er das zuerst!“). Hinzu kommt, dass Kinder je nach Alter erst lernen, Impulse zu kontrollieren, zu warten und Gefühle in Worte zu fassen.

Gerade in Deutschland und Österreich erleben viele Familien Alltagssituationen, in denen Spielzeugkonflikte besonders schnell aufflammen:

  • Spielplatz: begrenzte Schaukeln, Sandspielzeug, Fahrzeuge.
  • Kita/Kindergarten: beliebte Bauklötze, Rollenspielmaterial, Bastelsachen.
  • Geschwister zu Hause: gemeinsames Kinderzimmer oder gemeinsamer Wohnbereich.
  • Besuchssituationen: „Gastkinder“ greifen zu Spielzeug, das zuhause als „mein“ gilt.

Die gute Nachricht: Ein Konflikt ist nicht automatisch ein Zeichen für schlechtes Benehmen oder fehlende Erziehung. Ein Streit kann ein Trainingsfeld sein – wenn Erwachsene ihn klar, ruhig und fair begleiten.

Was Kinder dabei wirklich lernen können

  • Frustrationstoleranz: „Ich kann warten und bleibe trotzdem okay.“
  • Empathie: „Der andere fühlt auch etwas.“
  • Verhandeln: „Wir finden eine Lösung, die für beide passt.“
  • Grenzen: „Nein sagen“ und „Nein akzeptieren“.
  • Soziale Regeln: in der Gruppe teilen, abwechseln, gemeinsam planen.

Bevor du eingreifst: 3 schnelle Checks für Eltern (und Pädagog:innen)

Bevor du versuchst, einen Streit um Spielzeug zu lösen, helfen drei kurze Fragen. Sie sorgen dafür, dass du nicht vorschnell „schlichtest“ und damit ungewollt noch Öl ins Feuer gießt.

1) Ist jemand in Gefahr?

Wenn geschubst, gehauen oder mit Spielzeug geworfen wird: sofort stoppen. Sicherheit geht vor. Bei reinem „Diskutieren“, Jammern oder kurzem Zerren kann man manchmal 10–20 Sekunden beobachten, ob die Kinder selbst eine Lösung finden.

2) Wie alt sind die Kinder?

Je jünger ein Kind ist, desto weniger kann es teilen, warten oder komplex verhandeln. Ein Zweijähriges hat oft noch kein stabiles Konzept von „teilen“ – es lebt stark im Moment. Vorschulkinder können schon eher Regeln verstehen, brauchen aber weiterhin Begleitung. Grundschulkinder profitieren von klaren Absprachen und dürfen zunehmend selbst moderieren.

3) Was ist der eigentliche Auslöser?

Manchmal geht es nicht um das Spielzeug, sondern um müde sein, Hunger, Reizüberflutung oder das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit. Dann hilft keine perfekte „Teilen-Regel“, sondern eher: Pause, Snack, Ortswechsel, kurze Verbindung („Ich bin da.“).

7 kreative Wege, einen Streit um Spielzeug fair zu lösen

Die folgenden Methoden sind bewusst alltagstauglich. Du kannst sie zu Hause, im Kindergarten oder auf dem Spielplatz einsetzen. Wichtig: Wähle nicht immer dieselbe Lösung. Abwechslung verhindert, dass Kinder eine Methode „ausnutzen“ (z. B. ständig auf Timer bestehen) und stärkt ihre Flexibilität.

Weg 1: Die „Stop-&-Benennen“-Methode (Gefühle spiegeln, bevor du regelst)

Wenn ein Streit um Spielzeug eskaliert, ist das Nervensystem der Kinder oft im Alarmmodus. In diesem Zustand funktionieren Moralpredigten und lange Erklärungen kaum. Der erste Schritt ist daher: Stoppen (falls nötig körperlich trennen) und benennen.

  • Stop: „Stopp, ich sehe Hände am selben Auto. Ich lasse das nicht zu, dass ihr euch weh tut.“
  • Benennen: „Du bist wütend, weil du gerade damit spielen wolltest.“ / „Du bist traurig, weil du es schon hattest.“
  • Rahmen setzen: „Wir lösen das fair. Ich helfe euch.“

Diese Mini-Sequenz wirkt simpel, ist aber extrem effektiv: Kinder fühlen sich gesehen und können schneller wieder kooperieren. Erst danach lohnt es sich, nach einer Lösung zu suchen.

Wann das besonders gut funktioniert

  • Bei starken Emotionen (Wut, Weinen, Schreien).
  • Bei Geschwistern, wenn alte Muster („Der nimmt immer!“) hochkommen.
  • In Gruppen, wenn du schnell Ruhe reinbringen musst (Kita, Spielgruppe).

Weg 2: Der „Sanduhr-/Timer-Deal“ (Abwechseln mit sichtbarer Zeit)

Viele Kinder akzeptieren Abwechseln leichter, wenn Zeit sichtbar ist. Statt „gleich“ oder „in 5 Minuten“ (was für Kinder abstrakt ist), nimm eine Sanduhr, einen Timer am Handy (am besten ohne Bildschirm-Thema) oder eine kleine Küchenuhr.

Ablauf:

  • Du klärst, wer gerade dran ist (z. B. wer zuerst hatte oder wer es gerade nutzt).
  • Du stellst eine kurze Zeitspanne ein (oft reichen 2–5 Minuten).
  • Du kündigst den Wechsel an: „Wenn der Timer klingelt, wird getauscht.“
  • Du bleibst konsequent, aber freundlich.

Damit kannst du sehr häufig einen Streit um Spielzeug lösen, ohne dass ein Kind „verliert“. Gerade in Deutschland und Österreich, wo in Kitas oft mit Sanduhren gearbeitet wird, kennen viele Kinder dieses Prinzip bereits – es wirkt vertraut und fair.

Extra-Tipp: „Zwei Runden“ statt „einmal abgeben“

Wenn Kinder Angst haben, das Spielzeug nie wieder zu bekommen, hilft eine klare Struktur: „Jeder bekommt zwei Runden.“ Das nimmt Druck raus und reduziert Klammern und Wegreißen.

Weg 3: „Bau eine Kopie“ – kreatives Doppeln mit Alternativen

Manchmal ist das Problem nicht Besitz, sondern: Es gibt nur ein besonders beliebtes Teil (der eine Feuerwehrwagen, die eine Glitzerkrone, die eine Schaufel). Statt ausschließlich zu teilen, kannst du die Situation kreativ „verdoppeln“ – ohne das Original zu duplizieren.

Beispiele:

  • Im Sandkasten: „Du hast die große Schaufel. Wer möchte mit der kleinen den Anhänger füllen?“
  • Bei Fahrzeugen: „Du fährst den Bagger. Wer baut die Straße und stellt die Baustellenschilder auf?“
  • Bei Rollenspiel: „Du bist die Ärztin mit dem Stethoskop. Wer ist die Empfangsperson mit dem Klemmbrett?“

So verschiebst du den Fokus von „Ich will genau DAS“ zu „Ich will eine Rolle im Spiel“. Häufig löst sich der Konflikt, weil beide Kinder Bedeutung im Spiel bekommen.

Warum das so gut wirkt

Kinder streiten oft um Status: Wer hat die „wichtige“ Sache? Wenn du mehrere gleichwertige Rollen anbietest, wird das Spiel kooperativ statt konkurrierend.

Weg 4: Die „Kinder-Konferenz“ (Mini-Mediation in 3 Sätzen)

Gerade ab etwa 4 Jahren kannst du Kinder anleiten, selbst Lösungen zu finden. Das wirkt nachhaltig, weil sie nicht von außen „gerichtet“ werden. Du moderierst kurz, aber die Kinder entscheiden.

So geht’s (3 Schritte):

  • Jede Person sagt, was sie will: „Ich will mit dem Zug spielen.“ – „Ich will auch.“
  • Jede Person sagt, warum: „Weil ich gerade die Schienen gebaut habe.“ – „Weil ich den Bahnhof machen wollte.“
  • Beide suchen 2–3 Ideen: abwechseln, zusammen spielen, anderes Teil nehmen, Regel für die nächste Runde.

Du kannst dafür einen „Rede-Gegenstand“ nutzen (z. B. ein Holzklötzchen). Nur wer ihn hat, spricht. Das verhindert, dass ein Kind das andere übertönt – ein typisches Problem, wenn Kinder emotional sind.

Formulierungen, die im Alltag wirklich funktionieren

  • „Sag’s kurz.“ (Kinder verlieren sich sonst in Vorwürfen.)
  • „Was wäre fair?“ (führt weg von „Ich!“ hin zu Regeln.)
  • „Welche Idee ist für euch beide okay?“

Weg 5: „Tauschbörse“ statt Wegnehmen (Handel mit klaren Regeln)

Kinder lieben Tauschen – aber es kann unfair werden, wenn ein Kind immer „nachgibt“. Eine kleine Tauschbörse funktioniert dann gut, wenn du Regeln setzt:

  • Es wird angeboten, nicht gefordert („Möchtest du tauschen?“).
  • Ein „Nein“ wird akzeptiert („Okay, dann nicht.“).
  • Es gibt Rücktausch nach einer Zeit oder am Ende des Spiels (besonders bei Geschwistern).

Beispiel: „Du möchtest den Kran. Du kannst anbieten: ‚Ich gebe dir dafür den Betonmischer‘ oder ‚Ich helfe dir beim Bauen‘.“ So lernen Kinder echte Verhandlungskompetenz, statt Konflikte über Stärke zu lösen.

Für den Spielplatz in D/A wichtig

Auf öffentlichen Spielplätzen gilt oft: Mitgebrachtes Spielzeug ist nicht automatisch „Gemeingut“. Gleichzeitig entsteht schnell sozialer Druck („Du musst teilen!“). Eine gute Balance ist:

  • Du ermutigst zum Teilen, aber du zwingst nicht jedes Kind, sein Lieblingsspielzeug herzugeben.
  • Du setzt Grenzen: „Wir teilen gern, wenn es für uns passt. Sonst lassen wir den Bagger im Rucksack.“

Das verhindert, dass Kinder sich ausgeliefert fühlen – und reduziert damit die Wahrscheinlichkeit, dass sie später erst recht klammern oder aggressiv reagieren.

Weg 6: Die „Regel vor dem Spiel“ (Konflikte vorbeugen statt löschen)

Viele Konflikte lassen sich vermeiden, wenn du vorher eine einfache Regel setzt. Das ist besonders hilfreich bei Spielzeug, das immer wieder Streit auslöst (z. B. Konsolen, Tablet-Zubehör, ein bestimmtes Kuscheltier, Magnetbausteine, Lego-Figuren).

Beispiele für Vorab-Regeln:

  • „Wer aufbaut, bestimmt die ersten 3 Minuten.“ (Belohnt Aufwand.)
  • „Wir spielen zu zweit oder gar nicht.“ (für kooperative Sets, wenn möglich).
  • „Maximal zwei Kinder gleichzeitig am Spielzeug.“ (reduziert Chaos.)
  • „Wenn es Streit gibt, macht das Spielzeug 2 Minuten Pause.“ (Spielzeug geht „auf Urlaub“.)

Gerade die „Pause-Regel“ ist kreativ und effektiv: Das Spielzeug wird neutral weggelegt, nicht als Strafe, sondern als klare Konsequenz für „Wir schaffen es gerade nicht fair“. Danach starten die Kinder neu – oft deutlich kooperativer.

Warum Vorab-Regeln in vielen Familien so gut ankommen

In stressigen Alltagssituationen (Feierabend, Abendessen, Geschwisterdynamik) ist es leichter, eine Regel vorher zu etablieren, als mitten im Konflikt zu improvisieren. Das fühlt sich für Kinder berechenbar an – und für Erwachsene entlastend.

Weg 7: Die „Reparatur & Wiedergutmachung“ (nach dem Streit Beziehung stärken)

Manchmal gelingt es trotz aller Strategien nicht, den Streit um Spielzeug ohne Tränen zu lösen. Dann ist der wichtigste Schritt: Reparatur. Kinder müssen lernen: „Wir hatten einen Konflikt – und wir können wieder zueinander finden.“

Wiedergutmachungsideen (altersgerecht):

  • Ein Kind bringt dem anderen ein Taschentuch oder ein Glas Wasser.
  • Beide bauen gemeinsam das umgeworfene Bauwerk wieder auf.
  • Kurze Entschuldigung mit konkretem Satz: „Es tut mir leid, dass ich dir das aus der Hand gerissen habe.“
  • Ein „Neustart-Ritual“: High-Five, kurzer Händedruck, Umarmung (nur wenn beide wollen).

Wichtig: Entschuldigungen sollten nicht erzwungen werden. Besser ist: Du hilfst dem Kind, Verantwortung zu übernehmen („Du warst wütend und hast geschubst. Was kannst du tun, damit es wieder gut wird?“). Das ist echte soziale Kompetenz.

Altersspezifische Tipps: Was ist realistisch – und was überfordert?

Um einen Streit um Spielzeug lösen zu können, lohnt ein Blick auf Entwicklungsstufen. Was wir „fair“ finden, ist nicht immer das, was Kinder schon leisten können.

1–3 Jahre: Kurz, klar, körperlich sicher

  • Nutze wenige Worte: „Stopp. Nicht hauen. Du bist dran, dann du.“
  • Setze auf Abwechseln mit Timer oder auf räumliches Trennen („Du spielst hier, du dort“).
  • Erwarte noch kein „vernünftiges Teilen“ aus Einsicht.

3–6 Jahre: Regeln üben, Sprache aufbauen

  • Führe einfache Spielregeln ein („erst fragen, dann nehmen“).
  • Übe Mini-Sätze: „Darf ich danach?“, „Ich bin noch nicht fertig.“
  • Baue kooperative Rollen ein (Kopie bauen, Tauschbörse, Kinder-Konferenz).

6–10 Jahre: Verhandeln, Fairness, langfristige Lösungen

  • Lass Kinder selbst moderieren, du bist nur Backup.
  • Nutze schriftliche Absprachen bei Dauerbrennern (z. B. Spielzeiten, „wer zuerst“).
  • Reflektiere nach dem Streit: „Was hat geholfen, was nicht?“

Typische Stolperfallen (und was du stattdessen tun kannst)

Viele gut gemeinte Reaktionen verschärfen Konflikte unbewusst. Hier sind Klassiker – plus Alternativen.

„Dann bekommt es halt keiner!“ (als Standardlösung)

Das kann in manchen Situationen als „Pause-Regel“ sinnvoll sein. Wenn es jedoch immer die Default-Lösung ist, lernen Kinder: Konflikte enden mit Verlust. Besser: kurze Pause + Neustart mit einer konkreten Methode (Timer, Konferenz, Rollenverteilung).

„Du bist doch der/die Große – gib nach!“

Das erzeugt bei älteren Geschwistern oft stillen Frust und das Gefühl, unfair behandelt zu werden. Alternative: Verantwortung ja, aber nicht einseitig. Beispiel: „Du bist größer, du kannst die Timer-Regel mittragen. Aber du bekommst auch deine Zeit am Spielzeug.“

„Teilen ist immer Pflicht“

Teilen ist ein Wert, aber Zwang kann Gegenteiliges bewirken. Alternative: Freiwilligkeit plus Struktur. „Du kannst teilen, wenn du möchtest. Wenn du nicht teilen willst, legen wir das besondere Spielzeug weg und nehmen etwas, das zum Teilen gedacht ist.“

„Wer schreit, bekommt recht“ (unbewusst)

Wenn das lautere Kind häufiger „gewinnt“, verstärkt sich das Muster. Alternative: Rede-Gegenstand, langsames Moderieren, gleiche Sprechzeit. So wird Fairness erlebbar.

Konflikte vorbeugen: 6 praktische Ideen für Haushalt, Kita und Spielplatz

Wer häufig einen Streit um Spielzeug lösen muss, braucht nicht nur Strategien im Akutfall, sondern auch eine Umgebung, die Kooperation erleichtert.

1) Spielzeug-Zonen einrichten

  • Gemeinsam: Bauklötze, Gesellschaftsspiele, Verkleidungskiste.
  • Einzeln: besondere Schätze (Lieblingskuscheltier, Sammelfiguren).

Gerade in Wohnungen mit wenig Platz (typisch in Städten wie Berlin, München, Wien, Graz) hilft eine klare Zuordnung enorm.

2) „Genug von allem“ bei Verbrauchsmaterial

Streit entsteht oft bei Stiften, Scheren, Kleber, Knete. Hier lohnt sich Redundanz: lieber zwei Klebestifte als eine tägliche Großkrise.

3) Rituale für Besuchssituationen

Wenn Besuch kommt: Lass dein Kind vorher 3–5 Spielzeuge auswählen, die nicht geteilt werden müssen (sie kommen in eine Kiste oben ins Regal). Dann gibt es weniger Stress und mehr Großzügigkeit bei allem anderen.

4) Kurze „So spielen wir“-Regeln sichtbar machen

Für Kinder ab Kita-Alter kann ein kleines Plakat helfen:

  • Wir fragen.
  • Wir warten.
  • Wir tauschen oder nutzen den Timer.
  • Wir reparieren, wenn etwas kaputtgeht.

5) Energielevel beachten: Streit ist oft ein Müdigkeitssignal

Viele Nachmittagskonflikte entstehen zwischen Abholen und Abendessen. Eine kleine Zwischenmahlzeit, ruhige Musik oder 15 Minuten „Runterkommen“ können Wunder wirken. Das ist keine „Belohnung“ für Streit, sondern Prävention.

6) Vorleben statt Predigen

Kinder kopieren, was sie sehen. Wenn Erwachsene selbst fair verhandeln („Ich nehme zuerst den Kochlöffel, danach du“) und respektvoll Grenzen setzen, übernehmen Kinder diese Muster.

Beispiele aus dem Alltag: Drei Szenarien und passende Lösungen

Damit die Strategien greifbar werden, hier drei typische Situationen – mit konkreten Schritten.

Szenario 1: Spielplatz, ein Kind nimmt die Schaufel weg

  • Stop & Benennen: „Stopp, ich sehe ihr habt beide die Schaufel. Du bist wütend, du wolltest sie.“
  • Rahmen: „Wegnehmen geht nicht. Wir finden eine Lösung.“
  • Optionen: Timer 3 Minuten oder Rollen verteilen („Du schaufelst, du füllst den Eimer und kippst ab“).
  • Abschluss: „Okay, Timer läuft. Danach Wechsel.“

Szenario 2: Geschwister zu Hause streiten um die gleichen Figuren

  • Regel vor dem Spiel: „Heute gilt: Wer zuerst aufbaut, beginnt 5 Minuten.“
  • Tauschbörse: „Wenn du eine Figur möchtest, biete eine andere oder eine Rolle an.“
  • Reparatur: Falls es eskaliert: „Figuren machen 2 Minuten Pause. Danach Neustart.“

Szenario 3: Kita-/Kindergarten-Nachmittag, beliebtes Fahrzeug, drei Kinder

  • Maximal zwei Kinder am Fahrzeug, das dritte bekommt eine gleichwertige Aufgabe.
  • Kopie bauen: „Du bist heute Baustellenchef: Absperrband, Schilder, Rampe.“
  • Kinder-Konferenz: Wenn nötig, kurz moderieren, Lösung von Kindern wählen lassen.

Mini-Sprachhilfe: Sätze, die deeskalieren (statt anzufeuern)

Wenn du einen Streit um Spielzeug lösen willst, entscheidet Sprache viel. Hier sind Formulierungen, die oft funktionieren – und zugleich Grenzen klar machen.

Deeskalations-Sätze

  • „Ich sehe, ihr wollt beide dasselbe.“
  • „Stopp. Ich helfe euch, das fair zu klären.“
  • „Erst beruhigen, dann lösen.“
  • „Du kannst wütend sein, aber du darfst nicht hauen.“

Verhandlungs-Sätze für Kinder

  • „Darf ich danach?“
  • „Ich bin noch nicht fertig. Noch zwei Minuten.“
  • „Wollen wir tauschen?“
  • „Lass uns zusammen spielen.“

FAQ: Häufige Fragen von Eltern in Deutschland und Österreich

Soll ich mein Kind immer zum Teilen anhalten?

Teilen ist wichtig, aber nicht immer in jeder Situation sinnvoll. Gerade bei Lieblingsspielzeug oder wenn ein Kind neu in der Gruppe ist, kann Teilen überfordern. Sinnvoll ist eine Mischung aus: freiwillig teilen + klare Regeln (Timer, Abwechseln, Alternativen). So entsteht echte Großzügigkeit statt erzwungene Abgabe.

Was, wenn das andere Kind (z. B. auf dem Spielplatz) nicht nach Regeln spielt?

Du kannst dein Kind schützen, ohne zu eskalieren: „Wir spielen gern gemeinsam, aber Wegnehmen geht nicht. Wenn das passiert, packen wir den Bagger kurz weg.“ Gleichzeitig kannst du dem anderen Kind eine einfache Option anbieten: „Du kannst fragen oder danach dran sein.“

Ist es okay, Spielzeug wegzunehmen, wenn gestritten wird?

Als kurze Pause ja – wenn du es neutral ankündigst („Wir schaffen es gerade nicht fair, das Spielzeug macht Pause“). Als dauerhafte Strafe eher selten, weil Kinder dann oft nur lernen: „Erwachsene entscheiden willkürlich.“ Besser ist, die Pause mit einem Neustartplan zu verbinden.

Wie verhindere ich, dass immer dasselbe Kind verliert?

Achte auf Muster: Wer ist leiser, jünger, sensibler? Gib diesem Kind Struktur (Rede-Gegenstand, Timer, klare Reihenfolge). Und sprich das Thema in ruhigen Momenten an: „Mir ist aufgefallen, dass du oft nachgibst. Welche Lösung wäre fair für dich?“

Fazit: Fair lösen heißt nicht „ohne Gefühle“, sondern mit guten Werkzeugen

Ein Streit um Spielzeug ist selten angenehm – aber er ist eine Chance, Kinder in einer Kernkompetenz zu begleiten: Konflikte sozial zu lösen. Mit Methoden wie Stop-&-Benennen, Timer-Deal, Kopie bauen, Kinder-Konferenz, Tauschbörse, Regeln vor dem Spiel und Reparatur kannst du viele Situationen deeskalieren, ohne dass ein Kind sich unfair behandelt fühlt. Und je häufiger Kinder erleben, dass Konflikte lösbar sind, desto seltener musst du überhaupt eingreifen.

Wenn du möchtest, kann ich dir zusätzlich eine druckbare Kurz-Checkliste (A4) mit den 7 Wegen erstellen – passend für Kühlschrank, Kita-Tasche oder Gruppenraum.

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