Smartphone, Streaming, Social Media und Gaming gehören für Familien in Deutschland und Österreich längst zum Alltag. Gleichzeitig spüren viele Eltern Druck: „Mache ich das richtig?“ oder „Bin ich ein schlechtes Vorbild, weil ich selbst oft aufs Handy schaue?“ Die gute Nachricht: Ein starkes Medienvorbild zu sein hat weniger mit Perfektion zu tun – und mehr mit Bewusstheit, kleinen Routinen und einer Haltung, die zu eurem Familienleben passt. In diesem Artikel erfährst du, wie du Elterliches Medienvorbild bewusst gestalten kannst – alltagstauglich, ohne Moralkeule und ohne starre Regeln. Du bekommst konkrete Formulierungen, Beispiele aus typischen Familien-Situationen und praxiserprobte Mini-Schritte, die wirklich funktionieren.

Warum elterliches Medienverhalten so stark wirkt

Kinder lernen Mediennutzung nicht zuerst über Regeln, sondern über Beobachtung. Sie sehen, wie du dein Smartphone nutzt, wann du es zur Hand nimmst und welche Rolle digitale Medien in eurem Familienleben spielen. Genau deshalb ist es so wirkungsvoll, das elterliche Medienvorbild bewusst zu gestalten – nicht als perfekte Inszenierung, sondern als ehrlicher, verlässlicher Rahmen.

In vielen Familien in Deutschland und Österreich kommen noch typische Alltagsfaktoren dazu: Pendelwege, flexible Arbeitszeiten, Kita- und Schulorganisation, WhatsApp-Klassenchats, digitale Elternbriefe, Online-Banking, Telemedizin, Streaming am Abend. Medien sind oft Werkzeug, Kontaktkanal und Entspannung zugleich. Ein gutes Vorbild entsteht daher nicht durch „weniger ist immer besser“, sondern durch passende Prioritäten und sichtbare Selbststeuerung.

Vorbild heißt nicht: immer verfügbar, immer streng

Viele Eltern setzen sich unter Druck, weil sie glauben, Vorbild zu sein bedeute, nie abzuschweifen oder das Handy nie in die Hand zu nehmen. Das Gegenteil ist hilfreicher: Kinder profitieren davon, wenn sie sehen, dass du bewusst entscheidest – und auch, dass du dich korrigieren kannst.

  • Vorbild heißt: „Ich merke, dass ich gerade abdrifte – ich lege das Handy weg.“
  • Vorbild heißt: „Ich nutze Medien zielgerichtet und erkläre kurz warum.“
  • Vorbild heißt: „Ich habe klare Offline-Zeiten und halte sie meistens ein.“

Die 3 Säulen: Bewusstsein, Beziehung, Balance

Wenn du Elterliches Medienvorbild bewusst gestalten möchtest, helfen drei einfache Leitfragen. Sie sind wie ein Kompass für Entscheidungen im Alltag – ohne dass du jede App einzeln „bewerten“ musst.

1) Bewusstsein: Wofür nutze ich Medien gerade?

Frage dich im Moment der Nutzung: Nutze ich das Smartphone als Werkzeug (Organisation), als Verbindung (Kontakt) oder als Flucht (Ablenkung)? Keine dieser Kategorien ist grundsätzlich „schlecht“. Problematisch wird es, wenn Ablenkung zur Standardreaktion auf Stress wird und Kinder das als Normalität übernehmen.

Mini-Übung (10 Sekunden): Bevor du entsperrst, sag dir innerlich: „Ich mache das jetzt, um …“ – und wenn du keinen Grund findest, leg es weg.

2) Beziehung: Was passiert parallel in der Familie?

Medien sind selten das Problem an sich, sondern der Beziehungsabbruch im falschen Moment: wenn ein Kind etwas erzählen will, beim Essen, beim Zubettgehen oder mitten im Konflikt. Vorbildlich ist nicht, nie aufs Handy zu schauen – sondern Beziehungszeiten zu schützen.

  • Schlüsselregel: Wenn ein Kind Kontakt sucht, hat Beziehung Vorrang vor Bildschirm.
  • Signal an Kinder: „Du bist wichtiger als die Nachricht.“

3) Balance: Passt das Verhältnis von Online und Offline?

Balance bedeutet nicht „50/50“. Sie bedeutet, dass ausreichend Platz bleibt für Schlaf, Bewegung, Langeweile, Kreativität, Treffen mit Freunden und echte Pausen. In vielen Familien in D/A hilft es, Wochenrhythmen zu betrachten: Wer hat wann Sport, Musikschule, Vereinsleben, Spielplatzzeit? Medien sollten sich einfügen – nicht alles dominieren.

Typische Stolperfallen – und wie du sie ohne Druck entschärfst

Eltern scheitern selten an mangelndem Wissen, sondern an Alltagslogik: Stress, Zeitknappheit, Erreichbarkeit im Job, mentale Last. Hier sind häufige Stolperfallen – inklusive pragmatischer Lösungen.

Stolperfalle 1: „Nur kurz“ wird zur halben Stunde

Das passiert besonders bei Social Media, News, kurzen Videos, endlosem Scrollen. Kinder sehen vor allem: Erwachsene verlieren sich im Bildschirm. Eine alltagstaugliche Antwort ist nicht striktes Verbot, sondern sichtbare Begrenzung.

  • Timer-Trick: Stelle 10 Minuten – und lege das Handy sichtbar weg, wenn er klingelt.
  • Ortswechsel: Scrolle nicht dort, wo du mit Kindern interagierst (Küche, Esstisch, Bettkante).
  • „Eine Sache“-Regel: Öffne eine App für eine konkrete Aufgabe – danach Sperrbildschirm.

Stolperfalle 2: Arbeit und Familie verschwimmen

In Deutschland und Österreich ist Homeoffice zwar verbreitet, aber je nach Branche und Betrieb unterschiedlich. Viele Eltern sind in einem ständigen „Standby“. Vorbildlich ist hier, Grenzen sichtbar zu machen: nicht perfekt, aber erkennbar.

Praktische Formulierung für Kinder: „Ich beantworte jetzt zwei Nachrichten für die Arbeit. Danach bin ich wieder ganz bei dir.“

  • Arbeitsfenster statt Dauercheck: z.B. 9:30 und 13:30 Mails, nicht ständig.
  • Visuelles Zeichen: Kopfhörer oder ein kleines Schild „Arbeitszeit – ich bin gleich wieder da“.
  • Push-Mitteilungen reduzieren: Nur Anrufe/Favoriten durchlassen.

Stolperfalle 3: Das Handy als Stresspflaster

Wenn der Tag anstrengend ist, fühlt sich der Griff zum Smartphone wie eine schnelle Pause an. Kinder übernehmen: Stress = Bildschirm. Vorbildlich ist, Stressregulation breiter aufzustellen. Das ist nicht „mehr Disziplin“, sondern mehr Optionen.

  • 2-Minuten-Pause ohne Handy: ans Fenster, Wasser trinken, einmal durchatmen.
  • Kurzbewegung: 10 Kniebeugen, Treppe hoch/runter.
  • Mini-Ritual: Tee machen, Musik an, Licht dimmen.

Was Kinder in verschiedenen Altersstufen wirklich brauchen

Ein bewusstes Medienvorbild sieht für ein Kita-Kind anders aus als für ein Teenager. Hier geht es weniger um „die richtige Bildschirmzeit“ und mehr um Entwicklungsaufgaben: Nähe, Orientierung, Autonomie, soziale Zugehörigkeit.

0–5 Jahre: Sicherheit, Rituale, Co-Nutzung

In diesem Alter ist das wichtigste „Medium“ immer noch: du. Kinder brauchen Blickkontakt, Sprache, Spiel und Beziehung. Wenn Bildschirmzeit vorkommt (z.B. kurze Sendung, Videochat mit Oma), ist Begleitung entscheidend.

  • Co-Viewing: gemeinsam schauen, kurz kommentieren („Oh, der Bär ist traurig.“).
  • Klare Inseln ohne Handy: Wickeln, Essen, Einschlafbegleitung.
  • Vorbild: Das Handy liegt außer Reichweite, nicht als Spielzeug auf dem Sofa.

6–10 Jahre: Regeln, Orientierung, erste Verantwortung

Schulalter bedeutet oft: erste Chats, Lern-Apps, Spiele, vielleicht ein eigenes Gerät (oder ein Familien-Tablet). Hier wirkt ein bewusstes Vorbild besonders über Transparenz: Du erklärst, warum Regeln gelten – und lebst ähnliche Regeln selbst.

  • Familienregeln: z.B. „Keine Geräte am Esstisch“, „Bildschirm erst nach Hausaufgaben/Bewegung“.
  • Technik mit Sinn: gemeinsam ein Rezeptvideo, dann zusammen kochen.
  • Erste Medienkompetenz: Werbung erkennen, In-App-Käufe besprechen.

11–14 Jahre: Zugehörigkeit, Social Media, Konflikte

In der Vorpubertät wird das Smartphone zum sozialen Treffpunkt. Verbote ohne Dialog führen häufig zu Heimlichkeit. Ein starkes Medienvorbild heißt jetzt: Interesse zeigen, Grenzen verhandeln, und gleichzeitig digitale Risiken ernst nehmen (z.B. Cybermobbing, sexualisierte Inhalte, Kettenbriefe).

  • Gespräch statt Verhör: „Was ist gerade auf TikTok/Instagram bei euch Thema?“
  • Konkrete Sicherheitsabsprachen: Privatsphäre-Einstellungen, keine Weitergabe von Bildern.
  • Konfliktkompetenz: „Wenn dich etwas belastet, komm zu uns – du bekommst keinen Ärger.“

15–18 Jahre: Autonomie, Verantwortung, echte Aushandlung

Jugendliche brauchen Vertrauen und einen Rahmen, der ihre wachsende Selbstständigkeit respektiert. Als Vorbild zeigst du: Medien sind Teil eines verantwortlichen Lebens – mit Schlaf, Lernen, Job/Ausbildung, Freundschaften und Erholung.

  • Gemeinsame Ziele: Schlaf schützen, Lernphasen, Handyfreie Zonen nachts.
  • Vorbild in Kommunikation: keine Bloßstellung, kein Mitlesen ohne Anlass.
  • Gespräche über Werte: Körperbilder, Konsumdruck, Desinformation.

Alltagstaugliche Familienregeln, die du auch selbst halten kannst

Regeln sind nur dann glaubwürdig, wenn Eltern sie mittragen. Das bedeutet nicht, dass Eltern und Kinder exakt dieselben Regeln brauchen – aber die Richtung sollte erkennbar sein. Damit du das elterliche Medienvorbild bewusst gestalten kannst, sind „kleine, klare Regeln“ meistens wirksamer als lange Regelkataloge.

Regelpaket A: Orte

  • Esstisch: bildschirmfrei (auch für Erwachsene).
  • Schlafzimmer: Geräte möglichst draußen oder im Flugmodus.
  • Bad/Toilette: wenn möglich ohne Scrollen (klingt banal, wirkt aber stark).

Regelpaket B: Zeiten

  • Übergänge schützen: morgens die ersten 20 Minuten ohne Handy; abends die letzten 30 Minuten vor dem Schlafen ohne Scrollen.
  • Familienzeit-Fenster: z.B. 17–19 Uhr nur wichtige Anrufe.
  • Wochenende: ein gemeinsamer „Offline-Block“ für Ausflug, Spielplatz, Wald, See.

Regelpaket C: Situationen

  • Wenn jemand redet: Bildschirm weg, Blickkontakt.
  • Bei Konflikten: keine Diskussion mit Handy in der Hand.
  • Während Hausaufgaben/Lernzeit: Handy außer Sichtweite (auch für Eltern, wenn sie daneben sitzen).

So sprichst du darüber, ohne dass es nach Predigt klingt

Sprache entscheidet, ob Regeln als Kontrolle oder als Schutz erlebt werden. Gerade in D/A sind viele Familien eher sachorientiert: „Was bringt’s?“ „Wofür ist das gut?“ Nutze diese Haltung und erkläre kurz den Zweck.

Ich-Botschaften statt Du-Vorwürfe

  • Statt: „Du hängst schon wieder am Handy!“
  • Besser: „Ich merke, dass wir uns gerade verpassen. Ich wünsche mir, dass wir jetzt kurz ohne Handy reden.“

Transparenz: Kinder dürfen deine Gründe kennen

Wenn du erreichbar sein musst (z.B. Pflegefall in der Familie, Bereitschaftsdienst, Schule/Kita könnte anrufen), sag es offen. Das ist gelebte Medienkompetenz: Geräte haben Funktionen, nicht nur Unterhaltung.

Beispielsatz: „Ich lasse das Handy heute laut, weil die Kita anrufen könnte. Alles andere schaue ich später.“

Reparatur-Sätze, wenn du selbst abrutschst

Das ist einer der stärksten Vorbild-Momente überhaupt: nicht das Durchhalten, sondern das Korrigieren.

  • „Stopp, ich war gerade weg mit dem Kopf. Erzähl nochmal, ich bin jetzt da.“
  • „Ich habe länger gescrollt als geplant. Ich lege es jetzt weg.“
  • „Tut mir leid, ich habe nebenbei aufs Handy geschaut. Du bist mir wichtig.“

Konkrete Routinen, die in Familien wirklich funktionieren

Routinen nehmen Druck raus, weil du weniger entscheiden musst. Sie machen dein Verhalten vorhersehbar – und genau das gibt Kindern Sicherheit. Wenn du Elterliches Medienvorbild bewusst gestalten willst, starte mit einer Routine pro Woche, nicht mit zehn auf einmal.

Routine 1: Die „Handy-Parkplätze“

Lege feste Plätze fest: z.B. ein Korb im Flur oder ein Regal in der Küche. Das senkt „nebenbei“-Nutzung massiv.

  • Ein Parkplatz pro Etage (wenn ihr mehrstöckig wohnt).
  • Ladestation außerhalb des Schlafzimmers.
  • Regel: Wenn du heimkommst, landet das Handy zuerst dort (außer Notfälle).

Routine 2: Gemeinsamer Medien-Check-in am Wochenende

15 Minuten, z.B. Sonntagabend: Was lief gut? Was hat genervt? Was wollen wir nächste Woche anders machen? Das klingt formell, ist aber in der Praxis oft entlastend – weil Konflikte nicht täglich eskalieren müssen.

  • Frage an Kinder: „Wann findest du, dass ich zu viel am Handy bin?“
  • Frage an Eltern: „Wann stresst mich eure Mediennutzung am meisten – und warum?“
  • Ein Beschluss für die Woche (maximal einer!).

Routine 3: „Erst Verbindung, dann Bildschirm“

Ein einfaches Prinzip: Bevor jemand in der Familie in den Bildschirm geht, gibt es kurz Verbindung – ein Satz, ein Blick, ein kurzes „Wie war dein Tag?“ Das verhindert, dass Medien zum Kontakt-Ersatz werden.

Routine 4: Medienfreie Mikro-Momente

Du brauchst keine riesigen Digital-Detox-Projekte. Starte mit Mikro-Momenten:

  • 5 Minuten am Morgen ohne Handy
  • Beim Zähneputzen nicht scrollen
  • Beim Abholen von Kita/Schule: Handy in der Tasche lassen

Digitale Erziehung in D/A: Was Eltern oft zusätzlich beschäftigt

Eltern in Deutschland und Österreich bewegen sich in einem Umfeld, das einerseits stark reguliert ist (Datenschutz, Jugendschutz), andererseits aber sehr digital geworden ist (Schulplattformen, Messenger-Gruppen, Streaming-Angebote). Das erzeugt typische Fragen.

WhatsApp-Klassenchat, Signal, Threema – und der Druck, „dabei“ zu sein

Viele Eltern empfinden Klassenchats als Pflicht. Als Vorbild kannst du zeigen, wie man Kommunikationsstress reduziert:

  • Benachrichtigungen stumm und feste Check-Zeiten.
  • Keine Diskussionen im Chat führen, die besser persönlich geklärt werden.
  • Vor Kindern sichtbar: „Ich schaue zweimal am Tag, das reicht.“

Datenschutz & Fotos: Vorbild durch respektvollen Umgang

Gerade im DACH-Raum ist Datenschutz ein wichtiges Thema. Ein starkes Medienvorbild bedeutet auch: Du respektierst die Privatsphäre deines Kindes.

  • Keine Peinlich-Fotos posten (auch nicht „nur“ in der Familiengruppe), ohne Zustimmung.
  • Erklären: „Bilder gehen schnell weiter – deshalb entscheiden wir gemeinsam.“
  • Option: Gesicht nicht zeigen, oder gar nicht posten.

Gaming, YouTube, Streaming: Nicht verteufeln, sondern rahmen

Viele Konflikte entstehen, weil Medien nur als Belohnung oder „Suchtfaktor“ gesehen werden. Hilfreicher: Unterscheide zwischen Inhalt, Kontext und Dauer.

  • Inhalt: Ist das altersgerecht? Welche Themen?
  • Kontext: Allein, mit Freunden, nebenbei beim Essen?
  • Dauer: Passt es in den Tag, ohne Schlaf/Bewegung zu verdrängen?

Wenn du Regeln setzt: So bleibt es fair und glaubwürdig

Regeln werden leichter akzeptiert, wenn sie als fair erlebt werden. Fairness heißt nicht Gleichheit, sondern Nachvollziehbarkeit. Kinder dürfen wissen, warum Erwachsene manchmal mehr Medienzeit haben (z.B. Arbeit, Organisation). Gleichzeitig brauchen sie sichtbare Grenzen bei dir.

Die 4 Fairness-Prinzipien

  • Klarheit: kurz und konkret statt schwammig („nicht so viel“).
  • Konsequenz: lieber wenige Regeln, die ihr wirklich einhaltet.
  • Mitbestimmung: Kinder an Regeln beteiligen (je älter, desto mehr).
  • Vorbild: du hältst dich an den Kern (z.B. „essen ohne Handy“).

Logische Folgen statt Strafen

Wenn Absprachen nicht klappen, wirken logische Folgen oft besser als harte Strafen. Beispiel: Wenn das Tablet abends zu spät genutzt wurde, bleibt es am nächsten Abend früher draußen – nicht als „Rache“, sondern um Schlaf zu schützen.

Selbststeuerung sichtbar machen: Der unterschätzte Schlüssel

Kinder profitieren enorm, wenn sie sehen, wie du dich regulierst. Das ist gelebte Medienkompetenz. Du kannst sogar laut denken – ohne Drama.

  • „Ich habe Lust zu scrollen, aber ich will zuerst kurz mit dir spielen.“
  • „Ich stelle den Nicht stören-Modus an, damit ich mich konzentrieren kann.“
  • „Ich lege das Handy weg, damit mein Kopf Pause hat.“

Damit vermittelst du: Medien sind gestaltbar. Genau so kannst du dein elterliches Medienvorbild bewusst gestalten, ohne dass du ständig über Medien „reden“ musst.

Praktische Tools & Einstellungen (ohne Technik-Fetisch)

Technische Hilfen sind nicht die Lösung, aber sie können gute Absichten unterstützen – besonders, wenn du wenig mentale Kapazität hast.

Auf dem Smartphone der Eltern

  • Mitteilungen ausmisten: Nur wirklich wichtige Apps dürfen pushen.
  • Bildschirmzeit/Focus-Modus nutzen (als Spiegel, nicht als Schuldmesser).
  • Graustufen am Abend (macht das Gerät weniger „anziehend“).

Auf Geräten der Kinder (je nach Alter)

  • Kindersicherung als Rahmen, nicht als Geheimwaffe.
  • Gemeinsam einrichten und erklären, was warum begrenzt ist.
  • Absprachen zu In-App-Käufen und Downloads.

Medien als Chance: So nutzt ihr sie verbindend statt trennend

Ein starkes Medienvorbild bedeutet auch, positive Nutzung vorzuleben: Kreativität, Lernen, Kontakt, Humor. Medien dürfen in Familien Spaß machen – solange sie nicht alles andere verdrängen.

Ideen für gemeinsame Medienmomente

  • Gemeinsam kochen mit Rezeptvideo – danach Handy weg.
  • Familien-Playlist erstellen (Kinder dürfen Lieder vorschlagen).
  • Foto-Projekt: „Unser Monat in 12 Bildern“ (ohne Social-Media-Posting-Zwang).
  • Videochat mit Verwandten (in AT/DE oft wichtig wegen Distanz).

Medienkompetenz im Alltag: kleine Gespräche, große Wirkung

Du musst keine „Medienpädagogik-Stunden“ abhalten. Kurze Fragen reichen:

  • „Woran erkennst du, dass etwas Werbung ist?“
  • „Was macht dieses Video so spannend – Musik, Schnitt, Witze?“
  • „Glaubst du, das ist echt oder inszeniert?“

Wenn es trotzdem eskaliert: Was du bei Dauerkonflikten tun kannst

Manchmal ist Mediennutzung nur die Oberfläche. Dahinter liegen Müdigkeit, Überforderung, fehlende Alternativen, soziale Spannungen oder Lernstress. Bevor du alles auf „Bildschirmzeit“ reduzierst, lohnt sich ein kurzer Check.

Der 5-Fragen-Check

  • Schlaf: Kommt mein Kind (oder ich) genug zur Ruhe?
  • Bewegung: Gibt es tägliche körperliche Aktivität?
  • Freunde: Gibt es echte Treffen oder nur Chats?
  • Stress: Ist gerade Schule, Arbeit oder Familie besonders belastend?
  • Alternativen: Gibt es attraktive Offline-Optionen?

Konfliktgespräch in 3 Schritten

  • Beobachtung: „Mir ist aufgefallen, dass es abends oft Streit ums Handy gibt.“
  • Wirkung: „Das macht uns beide müde und gereizt.“
  • Plan: „Lass uns eine neue Abmachung testen – für eine Woche.“

Dein 7-Tage-Plan: Kleine Schritte, spürbare Veränderung

Damit du direkt starten kannst, kommt hier ein sanfter 7-Tage-Plan. Er ist so gebaut, dass er ohne Perfektion funktioniert und trotzdem dein Vorbild stärkt.

Tag 1: Ein Ort wird handyfrei

Wähle einen Ort (z.B. Esstisch) und kommuniziere: Ab heute ohne Handy – auch für dich.

Tag 2: Push-Mitteilungen halbieren

Schalte bei mindestens 5 Apps die Benachrichtigungen aus. Das reduziert „Zuckungen“ zum Handy enorm.

Tag 3: Handy-Parkplatz einrichten

Ein Korb, eine Schale, ein Regal: sichtbar und einfach.

Tag 4: Ein Reparatur-Satz üben

Nutze bewusst einen Satz wie: „Ich war kurz abgelenkt – ich bin wieder da.“

Tag 5: Gemeinsamer Medienmoment

Macht etwas Digitales zusammen (kurzes Video, Musik, Lernspiel) und beendet es bewusst.

Tag 6: Abend-Scroll stoppen

Lege 30 Minuten vor dem Schlafen das Handy weg oder aktiviere Fokusmodus/Graustufen.

Tag 7: Familien-Check-in (15 Minuten)

Frage: „Was war diese Woche mit Medien gut? Was wollen wir anpassen?“ Entscheidet eine Sache für die nächste Woche.

Fazit: Bewusst statt perfekt

Ein starkes Medienvorbild entsteht nicht durch starre Kontrolle, sondern durch bewusste Entscheidungen, sichtbare Selbststeuerung und eine familienfreundliche Struktur. Wenn du dein digitales Verhalten klein, aber konsequent anpasst, wirkt das oft stärker als jede Diskussion über Minuten.

Am Ende geht es um eine Haltung: Medien dienen der Familie – nicht umgekehrt. Genau so kannst du Elterliches Medienvorbild bewusst gestalten: ohne Druck, alltagstauglich, mit Raum für Fehler und mit einem klaren Fokus auf Beziehung.

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