Treue gibt Sicherheit – Freiheit fühlt sich nach Wachstum an. Dazwischen liegt eine Frage, die in Deutschland und Österreich immer häufiger offen diskutiert wird: Welches Beziehungsmodell passt wirklich zu dir? Dieser Artikel hilft dir, deine eigenen Bedürfnisse besser zu verstehen, typische Stolpersteine zu erkennen und eine bewusste Entscheidung zu treffen – ob du dich eher in klassischer Monogamie wohlfühlst, eine offene Beziehung in Betracht ziehst oder ein Modell dazwischen suchst.

Warum diese Frage heute so relevant ist

Dating-Apps, Fernbeziehungen, mehr Sichtbarkeit queerer Lebensmodelle und ein offenerer Umgang mit Sexualität haben dazu geführt, dass viele Paare nicht mehr automatisch davon ausgehen, dass es „nur“ den einen Weg gibt. Gleichzeitig bleibt der Wunsch nach emotionaler Verlässlichkeit stark – gerade in einem Alltag, der oft von Arbeit, Terminen und mentaler Belastung geprägt ist.

In Deutschland und Österreich zeigt sich zudem ein Spannungsfeld: Einerseits gibt es eine stabile Tradition von Verbindlichkeit (Ehe, gemeinsame Wohnung, Familienplanung). Andererseits wächst das Bedürfnis, individuelle Freiheit und Selbstverwirklichung nicht komplett zugunsten der Partnerschaft aufzugeben. Genau hier taucht das Thema Monogamie oder offene Beziehung auf – weniger als Trend, sondern als ehrliche Standortbestimmung.

Beziehungsmodelle im Überblick: Mehr als „entweder oder“

Bevor du dich fragst, was zu dir passt, lohnt sich ein klarer Blick auf Begriffe. Viele Konflikte entstehen, weil Menschen das Gleiche sagen, aber Unterschiedliches meinen.

Monogamie: Klassisch, aber nicht automatisch „einfach“

Monogamie bedeutet üblicherweise: exklusive romantische und sexuelle Beziehung mit einer Person. Für viele ist das gleichbedeutend mit Loyalität, Vertrauen und Sicherheit. Doch auch monogame Beziehungen unterscheiden sich stark – je nachdem, wie Paare über Flirts, Pornokonsum, Freundschaften mit Ex-Partner:innen oder emotionale Nähe zu anderen sprechen.

  • Stärke: klare Grenzen, weniger Aushandlung, hohe Planbarkeit.
  • Herausforderung: Bedürfnisse nach Abwechslung, Autonomie oder sexueller Neugier können verdrängt werden.

Offene Beziehung: Freiheit mit Regeln

Eine offene Beziehung ist meist emotional exklusiv, aber sexuell nicht exklusiv. Wichtig: „Offen“ heißt nicht „ohne Grenzen“. In funktionierenden offenen Beziehungen sind Regeln und Kommunikation oft sogar strukturierter als in manchen monogamen Partnerschaften.

  • Stärke: Raum für sexuelle Vielfalt, weniger Druck, alle Bedürfnisse „in einer Person“ finden zu müssen.
  • Herausforderung: Eifersucht, Zeitmanagement, emotionale Sicherheit, soziale Stigmatisierung.

Polyamorie, Swinging, „Monogamish“ und andere Varianten

Wenn du beim Thema Monogamie oder offene Beziehung merkst, dass du dich in keiner Schublade wiederfindest, ist das normal. Häufige Zwischenmodelle:

  • Polyamorie: mehrere gleichwertige romantische Beziehungen mit Wissen und Zustimmung aller Beteiligten.
  • Swinging: sexuelle Kontakte meist als Paar, oft in Clubs oder mit anderen Paaren, emotional bleibt die Hauptbeziehung zentral.
  • „Monogamish“: grundsätzlich monogam, aber mit vereinbarten Ausnahmen (z. B. im Urlaub, bei Events, Dreier).
  • Don’t ask, don’t tell (DADT): Kontakte werden nicht besprochen – kann entlasten, birgt aber Risiken für Vertrauen.

Viele Paare entwickeln ein individuelles Modell, das sich über Lebensphasen verändert (z. B. nach Umzug, Kinderwunsch, längeren Reisen oder nach einer Krise).

Selbstcheck: Welche Bedürfnisse stecken hinter deinem Wunsch?

Die entscheidende Frage lautet selten „Welches Modell ist besser?“, sondern: Welche Bedürfnisse versuchst du zu erfüllen? Nimm dir Zeit, ehrlich zu antworten – ohne dich zu bewerten.

1) Sicherheit vs. Abenteuer: Was beruhigt dein Nervensystem?

Manche Menschen regulieren Stress durch Nähe, Verlässlichkeit und klare Absprachen. Andere fühlen sich lebendig, wenn sie Neues erkunden dürfen – auch erotisch. Beides ist legitim.

  • Fühlst du dich tief entspannt, wenn Grenzen klar sind?
  • Oder fühlst du dich eingeengt, wenn alles festgelegt ist?

2) Sex und Liebe: Gehören sie für dich untrennbar zusammen?

Für einige ist Sexualität automatisch emotional geladen; für andere kann Sex auch spielerisch, körperlich und unverbindlich sein. Keine Variante ist „reifer“ als die andere – aber die Passung in der Partnerschaft ist zentral.

  • Wenn Sex für dich Liebe bedeutet, kann Öffnung schnell existenziell wirken.
  • Wenn Sex für dich auch getrennt funktionieren kann, kann Exklusivität sich unnötig restriktiv anfühlen.

3) Autonomie: Wie viel „Ich“ brauchst du im „Wir“?

Autonomie zeigt sich nicht nur in sexueller Freiheit. Auch Fragen wie getrennte Hobbys, Solo-Reisen oder eigene Freundeskreise spielen hinein. In Deutschland und Österreich – wo Arbeit und Alltag oft stark strukturiert sind – wird die Partnerschaft schnell zum Hauptort für Erholung, Nähe und Sinn. Das kann wunderschön sein, aber auch Druck erzeugen.

4) Werte und soziale Realität: Was kannst und willst du nach außen vertreten?

Ein oft unterschätzter Punkt: Wie viel Offenheit verträgt dein Umfeld? In manchen Regionen oder beruflichen Kontexten (z. B. konservative Branchen, kleine Städte) kann eine nicht-monogame Lebensweise Stress verursachen – nicht weil sie falsch wäre, sondern wegen Stigma. In Großstädten wie Berlin, Hamburg, München, Wien oder Graz ist Akzeptanz häufig größer, aber nicht garantiert.

Frage dich:

  • Wie wichtig ist dir gesellschaftliche Anerkennung?
  • Wie gehst du mit Missverständnissen oder Vorurteilen um?
  • Willst du das Modell geheim halten – und könntest du das langfristig?

Monogamie: Wann sie besonders gut passen kann

Monogamie ist nicht altmodisch – sie ist für viele Menschen eine sehr stimmige Struktur. Sie kann besonders gut passen, wenn du folgende Punkte wiedererkennst:

Du wünschst dir klare emotionale Priorität

Du möchtest, dass „ihr zwei“ klar im Zentrum steht, ohne Konkurrenzgefühle oder Vergleiche. Das kann stark entlasten, vor allem wenn du viel Verantwortung trägst (Job, Familie, Care-Arbeit).

Du hast wenig Ressourcen für ständige Aushandlung

Nicht-monogame Modelle brauchen oft mehr Kommunikation: Termine koordinieren, Grenzen prüfen, Gefühle nachbesprechen. Wenn du ohnehin schon mental ausgelastet bist, kann ein monogamer Rahmen stabilisierend sein.

Eifersucht ist bei dir schnell intensiv

Eifersucht ist menschlich, aber sie variiert stark. Wenn Eifersucht bei dir sehr körperlich und belastend wird, kann Monogamie ein guter Schutzfaktor sein – vorausgesetzt, ihr arbeitet trotzdem an Vertrauen und Selbstwert.

Du möchtest Familienplanung möglichst konfliktarm halten

Gerade mit Kinderwunsch spielen Alltag, Zeit, Logistik und gesellschaftliche Erwartungen eine Rolle. Viele Paare entscheiden sich in dieser Phase bewusst für Exklusivität, weil sie Stabilität und Fokus erleichtert.

Offene Beziehung: Wann sie besonders gut passen kann

Eine Öffnung ist nicht automatisch ein Zeichen von Bindungsangst. Sie kann ein sehr bewusstes, verantwortungsvolles Modell sein – wenn sie zu deinen inneren Bedürfnissen passt und nicht als Reparaturversuch missverstanden wird.

Du kannst Liebe und Sex (zumindest manchmal) trennen

Wenn du körperliche Begegnungen nicht automatisch als Bedrohung für eure Bindung erlebst, kann eine offene Beziehung eine Möglichkeit sein, Lust und Neugier zu integrieren, ohne die emotionale Partnerschaft infrage zu stellen.

Ihr habt bereits eine starke Kommunikationskultur

Offenheit klappt selten, wenn Konflikte sonst vermieden werden. Gute Zeichen sind:

  • Ihr könnt über unangenehme Gefühle sprechen, ohne euch sofort zu verteidigen.
  • Ihr könnt Verantwortung übernehmen („Das triggert mich, weil…“ statt „Du bist schuld“).
  • Ihr könnt euch entschuldigen und reparieren.

Du empfindest Vielfalt als Bereicherung, nicht als Flucht

Manche öffnen aus Neugier und Lebensfreude. Andere öffnen, um Distanz zu erzeugen oder Probleme zu umgehen. Letzteres führt oft zu Verletzungen. Eine offene Beziehung ist am stabilsten, wenn eure Basis bereits trägt.

Du bist bereit, Regeln wirklich zu leben

Ohne Verbindlichkeit scheitert Freiheit. Dazu gehören Absprachen zu:

  • Safer Sex (Tests, Kondome, Kommunikation über Risiken)
  • Transparenz (wie viel wollt ihr wissen?)
  • Orte (zu Hause ja/nein?)
  • Personen (Freundeskreis tabu? Kolleg:innen tabu?)
  • Übernachtungen und Zeitbudgets

Die häufigsten Mythen – und was stattdessen stimmt

Mythos 1: „Wenn man wirklich liebt, will man niemand anderen“

Viele Menschen können tief lieben und dennoch sexuelle Neugier empfinden. Umgekehrt kann jemand monogam leben, obwohl er oder sie gelegentlich Fantasien hat. Entscheidend ist nicht der Impuls, sondern die bewusste Entscheidung und die gelebte Vereinbarung.

Mythos 2: „Offene Beziehungen sind immer chaotisch“

Chaos entsteht meist nicht durch Offenheit, sondern durch unklare Regeln, fehlende Ehrlichkeit oder mangelnde emotionale Kompetenz. Manche offene Beziehungen sind erstaunlich stabil – andere sind es nicht. Genau wie bei monogamen Beziehungen.

Mythos 3: „Monogamie ist automatisch langweilig“

Monogamie kann sehr erotisch sein, wenn Paare Intimität pflegen, über Wünsche sprechen und Sexualität nicht als „erledigt“ betrachten. Langeweile kommt oft von fehlender Zeit, Stress, unausgesprochenen Konflikten – nicht von Exklusivität.

Mythos 4: „Öffnen rettet eine kriselnde Beziehung“

Wenn die Beziehung bereits instabil ist, verstärkt Öffnung häufig die Unsicherheit. Manchmal kann eine sehr reflektierte Öffnung helfen – aber eher selten als „Schnelllösung“. Häufig ist zuerst Paartherapie, ehrliche Bestandsaufnahme oder eine klare Trennungsentscheidung sinnvoller.

Praktischer Entscheidungsrahmen: So findest du heraus, was zu dir passt

Statt dich nur auf Bauchgefühl oder Ideale zu verlassen, hilft ein strukturierter Ansatz. Nutze die folgenden Schritte als Selbstcoaching oder als Gesprächsgrundlage mit deiner Partnerperson.

Schritt 1: Definiere dein „Warum“ in einem Satz

Beispiele:

  • „Ich wünsche mir Exklusivität, weil ich Sicherheit brauche, um mich fallen zu lassen.“
  • „Ich wünsche mir mehr Freiheit, weil ich mich sonst innerlich begrenzt fühle.“
  • „Ich möchte Klarheit, weil mich Unausgesprochenes zermürbt.“

Warnsignal: Wenn dein Satz stark nach Flucht klingt („weil ich sonst nicht mit dir klar komme“), lohnt sich ein tieferes Hinsehen.

Schritt 2: Prüfe deine nicht verhandelbaren Grenzen

Schreibe sie auf. Typische „Non-Negotiables“:

  • Keine Geheimnisse
  • Safer Sex ist Pflicht
  • Kein Dating im gemeinsamen Freundeskreis
  • Emotionale Exklusivität
  • Keine Übernachtungen / nur mit Absprache

Je klarer du bist, desto weniger verletzt du dich (und andere) später.

Schritt 3: Unterscheide Wunsch, Fantasie und Lebensrealität

Viele finden die Idee von „Monogamie oder offene Beziehung“ spannend – doch im Alltag ist das Energielevel entscheidend. Frage dich:

  • Hast du Zeit für zusätzliche Dates, ohne eure Beziehung zu vernachlässigen?
  • Wie reagierst du, wenn dein:e Partner:in ein Date hat und du allein bist?
  • Wie gehst du mit Unplanbarkeit um?

Schritt 4: Macht einen Testlauf – mit Sicherheitsnetz

Wenn ihr öffnen wollt, kann ein befristeter Rahmen helfen, z. B. für 8–12 Wochen. Vereinbart vorab:

  • Welche Regeln gelten?
  • Wie oft sprecht ihr darüber (z. B. wöchentliches Check-in)?
  • Was sind Stoppsignale (z. B. Schlafprobleme, starke Angst, Vertrauensverlust)?
  • Wie könnt ihr pausieren, ohne dass es als „Scheitern“ gilt?

Kommunikation, die wirklich hilft (statt nur „wir müssen reden“)

Unabhängig davon, ob du monogam lebst oder dich öffnest: Kommunikation ist die Stabilitätsschicht. Hier sind Techniken, die in der Praxis funktionieren.

Das 3-Ebenen-Modell: Gefühl – Bedürfnis – Bitte

  • Gefühl: „Ich bin gerade unsicher und angespannt.“
  • Bedürfnis: „Ich brauche Rückversicherung und Klarheit.“
  • Bitte: „Kannst du mir sagen, was du dir von dem Date erhoffst und was es für uns bedeutet?“

So vermeidest du Vorwürfe und erhöhst die Chance auf echte Nähe.

Regelmäßige Check-ins (gerade im DACH-Alltag)

In Deutschland und Österreich ist der Alltag oft effizient getaktet. Genau deshalb sind feste Check-ins sinnvoll, z. B.:

  • 15 Minuten jeden Sonntagabend: Stimmung, Stress, Verbindung
  • 1x pro Monat: Sexualität, Wünsche, Grenzen
  • Bei Öffnung: kurze Nachbesprechung nach externen Dates (im vereinbarten Detailgrad)

Konflikte reparieren statt gewinnen

Frage im Streit nicht „Wer hat recht?“, sondern: Wie kommen wir wieder in Verbindung? Das ist besonders wichtig, wenn neue Freiheiten Ängste aktivieren.

Eifersucht: Feind, Kompass oder beides?

Eifersucht ist einer der Hauptgründe, warum Menschen beim Thema Monogamie oder offene Beziehung feststecken. Sie ist unangenehm, aber auch informativ. Meist steckt darunter:

  • Angst vor Austauschbarkeit („Ich bin nicht genug“)
  • Verlustangst („Du gehst und kommst nicht zurück“)
  • Ungerechtigkeit („Du hast mehr Möglichkeiten als ich“)
  • Grenzverletzung („Du hast eine Abmachung gebrochen“)

Was hilft konkret?

  • Realitätscheck: Was ist Fakt – was ist Kopfkino?
  • Selbstwertarbeit: Was macht dich einzigartig in dieser Beziehung?
  • Transparenz passend dosieren: Zu viele Details können triggern, zu wenige können Misstrauen erzeugen.
  • Rituale: feste Date-Nights, Nähe nach externen Treffen (wenn beide das möchten).

Wichtig: Eifersucht ist kein Beweis, dass Offenheit unmöglich ist – aber sie ist ein Signal, dass ihr Struktur und Sicherheit braucht.

Regeln für eine offene Beziehung: Beispiele, die Paare wirklich nutzen

Regeln wirken nur, wenn sie zu euren Werten passen. Hier sind praxistaugliche Beispiele – nicht als Muss, sondern als Inspiration.

Transparenz-Modelle

  • „Open with notice“: Vorher kurz informieren, danach ein Check-in.
  • „Open with summary“: Keine Details, aber ehrliche Zusammenfassung („Es gab ein Treffen, wir hatten Sex, Safer Sex wurde eingehalten“).
  • DADT: Kann kurzfristig funktionieren, birgt aber Risiko für Distanz und Misstrauen.

Gesundheit & Safer Sex

  • Kondome/Barrieremethoden bei neuen Kontakten
  • Regelmäßige STI-Tests (z. B. alle 3 Monate, je nach Aktivität)
  • Klare Absprachen zu Alkohol/Drogen (Risiko für Grenzverletzungen)

Emotionaler Rahmen

  • Wie geht ihr mit wiederholten Treffen um?
  • Sind Übernachtungen okay?
  • Was passiert, wenn Gefühle entstehen?

Gefühle lassen sich nicht verbieten. Sinnvoller ist ein Plan: Früh ansprechen, gemeinsam entscheiden, Grenzen nachschärfen oder das Modell anpassen.

Wenn ihr nicht einig seid: Was tun bei unterschiedlichen Bedürfnissen?

Ein Klassiker: Eine Person wünscht sich Exklusivität, die andere mehr Offenheit. Das ist kein „Fehler“, sondern eine echte Inkompatibilität – oder eine Einladung zur kreativen Lösung.

Option 1: Zeitlich begrenzte Monogamie (oder begrenzte Öffnung)

Manche Paare vereinbaren Phasen: z. B. monogam während einer stressigen Lebensphase, später erneute Gespräche. Oder umgekehrt: begrenzte Öffnung mit klarer Evaluationsrunde.

Option 2: „Monogamish“ als Kompromiss

Ein Kompromiss kann funktionieren, wenn sich niemand verbiegt. Beispiele:

  • gemeinsame Erfahrungen (z. B. Swinging) statt solo Dates
  • Ausnahmen bei Reisen oder Events
  • Fantasien ausleben über Rollenspiele oder Sexting – ohne reale Kontakte

Option 3: Professionelle Hilfe

Eine Paarberatung oder Sexualtherapie kann helfen, Scham abzubauen und Bedürfnisse zu übersetzen. Gerade in größeren Städten in Deutschland und Österreich ist das Angebot breit; auch Online-Paartherapie ist inzwischen etabliert.

Option 4: Trennung als erwachsene Lösung

So schwer es ist: Wenn eure Kernbedürfnisse dauerhaft gegeneinander stehen, kann eine respektvolle Trennung gesünder sein als ein jahrelanger Kompromiss, der beide unglücklich macht.

Alltagsfaktoren, die oft unterschätzt werden (besonders im DACH-Raum)

Arbeitskultur, Pendeln und „Mental Load“

Viele Menschen in Deutschland und Österreich erleben hohe Arbeitsdichte, Pendelzeiten oder Leistungsdruck. Dadurch wird die Beziehung schnell zur einzigen Ressource für Nähe. Wer sich öffnet, braucht realistisch gesehen zusätzliche Kapazität – sonst entsteht Frust („Du hast Energie für Dates, aber nicht für uns“).

Wohnsituation: Zusammenleben vs. getrennte Wohnungen

In Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt (z. B. München, Hamburg, Wien) ist Zusammenziehen oft auch eine pragmatische Entscheidung. Das kann Öffnung komplizierter machen (Privatsphäre, Besuch, Rückzugsräume). Klare Regeln zu „zu Hause ja/nein“ sind hier besonders wichtig.

Diskretion und Privatsphäre

Viele Paare wollen nicht, dass Kolleg:innen oder Familie alles wissen. Überlegt euch daher:

  • Wer darf es wissen?
  • Welche Begriffe nutzt ihr (um Missverständnisse zu vermeiden)?
  • Wie schützt ihr eure Daten (z. B. in Dating-Apps, Social Media)?

Mini-Quiz: Welches Modell passt tendenziell zu dir?

Beantworte spontan mit A oder B. Am Ende zählt nicht die „Punktzahl“, sondern was dich emotional anspricht.

  • 1. Bei Unsicherheit suche ich eher… A: Nähe und klare Zusagen. B: Abstand, um mich zu sortieren.
  • 2. Treue bedeutet für mich vor allem… A: sexuelle Exklusivität. B: Ehrlichkeit und Verlässlichkeit, auch ohne Exklusivität.
  • 3. Wenn mein:e Partner:in begehrt wird, fühle ich… A: eher Angst. B: eher Stolz oder Neutralität.
  • 4. Ich habe Energie für zusätzliche Kontakte… A: selten. B: grundsätzlich ja.
  • 5. Regeln empfinde ich… A: als Schutz. B: als Rahmen für Freiheit.

Tendenz: Viele A-Antworten sprechen für eine monogame Struktur oder sehr klare Grenzen. Viele B-Antworten können darauf hinweisen, dass eine offene Beziehung oder ein Zwischenmodell grundsätzlich passen könnte – sofern Kommunikation und Sicherheit stimmen.

So startest du das Gespräch mit deiner Partnerperson (ohne Eskalation)

Wenn du das Thema ansprichst, ist Timing entscheidend. Nicht zwischen Tür und Angel, nicht nach einem Streit, nicht im Bett nach Sex, wenn es sich wie Druck anfühlt. Besser: ein ruhiger Spaziergang, ein Abend ohne Ablenkung oder ein festes Gesprächsfenster.

Beispielsätze, die Verbindung schaffen

  • „Ich möchte mit dir über unsere Beziehung sprechen, weil du mir wichtig bist – nicht weil ich weg will.“
  • „Ich merke, dass mich das Thema Monogamie oder offene Beziehung beschäftigt. Kannst du dir vorstellen, das gemeinsam ohne Stress zu erkunden?“
  • „Mir geht es nicht um sofortige Entscheidungen, sondern um Ehrlichkeit und Nähe.“

Was du vermeiden solltest

  • Drohungen: „Wenn du nicht öffnest, gehe ich.“
  • Vergleiche: „Andere Paare sind viel moderner.“
  • Überrumpeln: „Ich hab da schon jemanden im Kopf.“ (falls doch: sehr behutsam und transparent, sonst Vertrauensbruch)

Fazit: Dein passendes Modell ist das, das ihr bewusst und fair lebt

Zwischen Treue und Freiheit gibt es nicht nur zwei Pole, sondern viele Nuancen. Ob du dich in Monogamie am sichersten fühlst, eine offene Beziehung als stimmig erlebst oder ein Zwischenmodell suchst: Entscheidend ist, dass du deine Bedürfnisse kennst, sie respektvoll kommunizierst und bereit bist, Verantwortung für die Folgen deiner Entscheidung zu übernehmen.

Wenn du dir eine Leitfrage mitnehmen willst, dann diese: Fühle ich mich in diesem Modell langfristig sicher genug, um ehrlich zu sein – und frei genug, um ich selbst zu bleiben?

Kurze Reflexion zum Mitnehmen

  • Was brauche ich, um mich geliebt zu fühlen?
  • Was brauche ich, um mich lebendig zu fühlen?
  • Welche Grenzen schützen mich – und welche begrenzen mich?

Mit diesen Antworten findest du eher zu einem Modell, das wirklich zu dir passt – jenseits von Trends, Druck oder romantischen Idealen.

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